1921


11. Juli: Ilse Werner erblickte als Ilse Charlotte Still auf Java im damaligen Niederländisch-Indien das Licht der Welt. Ihr Vater war ein holländischer Plantagenbesitzer und begüterter Exportkaufmann, was Ilse Werner eine sorgenfreie Kindheit ermöglichte. Die Mutter Lilli (geb. Werner) war eine Deutsche.

1931

Die Familie zog nach dem wirtschaftlichen Verlust der Plantage relativ verarmt nach Frankfurt am Main.

1934

In diesem Jahr wurde Wien ihre nächste Station. Nach dem Ende der Schulzeit besuchte Ilse dort das Max-Reinhardt-Seminar und ließ sich zur Schauspielerin ausbilden. Hier gibt ihr Max Reinhardt den Künstlernamen Ilse Werner.


1937
Hier debütierte sie im Wiener Theater in der Josefstadt in dem Stück „Das Glück“ an der Seite von Paula Wessely. Ihr junges Gesicht wurde für den Film entdeckt, den sie in Österreich dreht:

1938
Erste Filmrolle an der Seite von Theo Lingen und Hans Moser in "Die unruhigen Mädchen". Die Universum-Film AG (Ufa) nimmt sie unter Vertrag. Ilse Werner, die als Niederländerin von der Reichsfilmkammer eine Sondergenehmigung für Dreharbeiten erhält, übersiedelt mit ihrer Familie nach Berlin. Da sie dem von den Nationalsozialisten propagierten weiblichen Ideal entspricht, gelingt ihr eine steile Filmkarriere. In leichten, unterhaltsamen Rollen verkörpert sie zumeist eine heiter-unbeschwerte junge Frau.


1939
Sie erhält die Hauptrolle in der Komödie "Bel Ami" an der Seite von Willi Forst, einem der wenigen deutschen Filme im NS-Regime, der auch international Anerkennung findet.


1940
In "Das Wunschkonzert", dem bis dahin größten deutschen Kinoerfolg, kommt erstmals Ilse Werners musikalisches Talent zur Geltung. Der Film macht sie in Deutschland zu einem Star und verleiht der gleichnamigen Radiosendung große Popularität.
Ilse Werner avanciert zu einer der beliebtesten Schauspielerinnen und Schlagersängerinnen der Zeit. Als Verkörperung der "Traumfrau" genießt sie Vorbildcharakter, der zahlreiche Frauen in Aussehen und Gestik nachzueifern trachten. Die NS-Propaganda nutzt ihre große Popularität zur Truppenbetreuung für die Wehrmacht und für zahlreiche Unterhaltungsfilme, in denen Ilse Werner die Menschen singend und pfeifend für wenige Stunden von ihren Alltagssorgen im Zweiten Weltkrieg ablenken soll.


1941
Ihre Autobiographie "Ich über mich" erscheint, und eine weitere Hauptrolle in dem Jenny-Lind-Epos "Die schwedische Nachtigall".


1942
Das Lied "Wir machen Musik" aus ihrem gleichnamigen Kinoerfolg unter der Regie von Helmut Käutner (1908-1980) wird zu Ilse Werners bekanntestem Schlager. Zusammen mit Hans Albers spielt sie die Hauptrolle in "Münchhausen", dem ersten UFA - Farbfilm und einem der erfolgreichsten Filme der NS-Zeit.


1943/44
Wiederum an der Seite von Hans Albers dreht Ilse Werner den Film "Große Freiheit Nr. 7", in dem sie erstmals in einer ernsthaften Charakterrolle brilliert. Aufgrund seiner melancholischen Tendenzen werden die Kinovorführungen des Films im Deutschen Reich verboten.


1945
Ihre Mitwirkung in diesen Filmen des NS-Regimes, bei der Hörfunk-Durchhalte-Sendung "Wunschkonzert" des "Reichssenders Berlin" und bei der Truppenbetreuung an der "Heimatfront" führte nach dem Krieg vorübergehend zu einem Berufsverbot für die damals politisch weitgehend naive Künstlerin. Doch als Synchronsprecherin hatte Ilse Werner etwa vier Jahre lang einen zusätzlichen Broterwerb. Sie lieh unter anderem Olivia de Havilland in „Robin Hood – König der Vagabunden“, Paulette Goddard in „Piraten im Karibischen Meer“ und Maureen O’Hara in „Der Seeräuber“ die deutschsprachige Stimme.


1946
In "Vier in einem Jeep" gelingt Ilse Werner nach dem Krieg nur ein mäßiges Comeback als Filmschauspielerin. Der Komponist Werner Bochmann entdeckt ihr Pfeiftalent und so wird sie nebenbei zum beliebten Schallplattenstar. „Die kleine Stadt will schlafen geh'n“, „Wir machen Musik“, „Mein Herz hat heut' Premiere“ waren mit ihrem Namen verbunden.

1948

Ihr erster, von Georg Wilhelm Pabst inszenierter Nachkriegsfilm "Geheimnisvolle Tiefe" erwies sich jedoch sowohl in künstlerischer als auch kommerzieller Hinsicht als Reinfall. Auch mit den folgenden Filmen konnte Ilse Werner an ihre alten Erfolge nicht mehr anknüpfen, da der von ihr verkörperte Frauentyp mittlerweile aus der Mode gekommen war.

Stigmatisiert als Typus der "Naiven im Krieg" kann sie nie mehr an ihre großen Erfolge anknüpfen.


1948-1953
Nach der Heirat mit dem amerikanischen Journalisten John de Forest lebt Ilse Werner bis zur Scheidung der Ehe in Los Angeles. In Deutschland dreht sie mit der Komödie "Mutter sein dagegen sehr" (1951), der Operettenverfilmung "Der Vogelhändler" (1952) und "Ännchen von Tharau" (1954) weiter Filme.

1954
Ilse Werner heiratet den Orchesterchef des Bayerischen Rundfunks Josef Niessen und zieht sich teilweise aus dem Filmgeschäft zurück.


1955
Sie nimmt die deutsche Staatsbürgerschaft an.
"Die Herrin vom Sölderhof" (1956) war ihr letzter Kinofilm.


1960
Mit dem Schlager "Baciare", der zu einem Welthit wird, feiert sie ein Comeback. Als Ilse Werner den Titel „Sleigh Ride“ (Schlittenfahrt) von Leroy Anderson einspielen wollte, schrieb ihr der Komponist Martin Böttcher innerhalb von 56 Stunden das komplette Arrangement nach Anhören einer alten Schellackplatte, weil es zu der Zeit keine Noten des Titels gab.

Ilse Werner ist in den nächsetn Jahren in zahlreichen Theaterstücken und Fernsehserien wie "Die Bräute meiner Söhne" (1965) zu sehen. Immer wieder ist sie Stargast der großen Musikshows, und präsentiert ihre bekannten Musikstücke. Ihr berühmter Name ist wieder da, und sie wird gefeierter Stargast in vielen Galaauftritten.


1967
Sie erhält mit "Eine Frau mit Pfiff" eine eigene musikalische Fernsehshow, in der sie ihre Pfeifkünste zum Besten gibt.


1970
In dem Musical "Der König und ich" spielt IlseWerner die Hauptrolle. Rückblickend ist dies die Lieblingsrolle ihres Lebens.


1973
Sie spielt dieHauptrolle in dem Theaterstück "Wir sind noch einmal davongekommen" von Thornton Wilder. Ihre Künste als Talkmasterin werden entdeckt und so erweitert Ilse Werner ihr Repertoire.


1981
Ihre ehrliche Autobiographie "So wird's nie wieder sein. Ein Leben mit Pfiff" erscheint. Ilse Werner erhält das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.


1986
Ihr wird das "Filmband in Gold" des Deutschen Filmpreises für besondere Verdienste um den deutschen Film verliehen. Auf einer Musikgala erhält sie die "Herrmann-Löns-Medaillie" in Gold.


1989
Ilse Werner ist in den Fernsehserien "Rivalen der Rennbahn" , Forstinspektor Buchholz und in dem Film "In meinem Herzen, Schatz ..." zu sehen.

 


1990
Nach diversen Rollen in Fernseh-Filmen und -Serien trat sie 1990 für "Die Hallo-Sisters" neben Harald Juhnke und Gisela May noch einmal vor die Filmkamera - es fand sich aber kein Filmverleih, der Streifen wurde dann nur im Fernsehen gezeigt.Für die selbstironische Darstellung einer alternden Schlagersängerin erhält sie erneut das "Filmband in Gold".

 

1992 - 1998
In einer Aufnahme von „Ohne Dich“ der Band "Die Ärzte" pfiff sie ein Solo. Außerdem war sie im Intro des Scorpions-Songs „Winds of Change“ zu hören. Es folgten Gastauftritte in verschiedenen Fernsehrollen, wie "Praxis Bülowbogen", "Großstadtrevier" oder im Tatort - Streifen "Bittere Mandeln".

 

1999 - 2002
Nach über 70 (!) Umzügen in ihrem Leben verbrachte Ilse Werner ihren Lebensabend in einer Lübecker Seniorenresidenz und führte als Gastgeberin durch ihre eigene Talkshow, und begrüßt viele Kollegen aus Funk, Fernsehen und Theater. Durch mehrere Stürze wurden ihr Reisen und Auftritte sehr erschwert, und so konnte sie weniger Angebote annehmen.

 

2003
In Gastauftritten in Talkshows und Fernsehproduktionen bewies sie mit über 80 Jahren immer Präsenz. Mit ihrem eigenen Galaabend "So wird´s nie wieder sein", stand sie nun selbst im Mittelpunkt und ließ als Gaststar ihre große Filmzeit Revue passieren.

 

2004
Ihr Lebenswerk wird im Filmmuseeum Babelsberg in Form von Fotos, Filmdokumenten und Requisiten für die Öffentlichkeit ausgestellt

 

2005

Schwere Krankheiten und Stürze ließen Ilse Werner ihren Wunsch, vor Publikum aufzutreten, nicht mehr möglich werden. Sie starb am 8. August im Alter von 84 Jahren an einer Lungenentzündung. Auf eigenen Wunsch hin wurde der ehemalige Ufa-Star in ihrer "Heimat" Potsdam-Babelsberg bestattet. Die Beisetzung fand unter besonders großer Anteilnahme der Potsdamer am 24. August 2005 statt.

Das Publikum erwies ihr über Generationen hinweg die Treue. Der Name ILSE WERNER war zeitlebens ein Garant für eine große Künstlerin, die in einmaliger Form ihre Karriere gemeistert hat, und über eine lange Zeit unzähligen Menschen Freude bereitet hat.